16.07.2009
17:00, видеозал
Приглашаем студентов немецкого отделения на лекцию
Jacques Lacan
Лектор М.Г.Контиер (Германия)
Der franzosische Psychoanalytiker Jacques-Marie Emile Lacan war eine umstrittene
Personlichkeit. Genie fur manche, Scharlatan fur andere, pragte er im
20. Jahrhundert wie nur sehr wenige die geistige Landschaft nicht nur seines
Heimatlandes Frankreich. Von der strukturalen Linguistik Ferdinand de Saussures
und Roman Jakobsons sowie von den Hegel-Studien Alexandre Kojeves
beeinflu?t, schopft Lacan auch aus anderen Disziplinen die Materie fur seine
originare Lehre, die auf eine sprachstrukturale Reformierung der Psychoanalyse
abzielt. Lacan, der eine Neulekture Freuds fordert, geht namlich davon aus, da?
letztlich alles sprachlich oder sprachanalog strukturiert ist. Seinem Ansatz zufolge
ist die Psychoanalyse als Sprachanalyse aufzufassen.
Die inzwischen beruhmten Grundsatze seiner Theorie lauten: „Das Unbewu?te
hat die radikale Struktur einer Sprache”, und: „Das Unbewu?te
ist die Rede des Anderen”. Wahrend das Unbewu?te
eine metaphorisch-metonymische Struktur aufweist
und sich im Gesprach mit dem Anderen enthullt,
stehen Sprache und Subjekt in einer unbedingten Beziehung
zu einander: das eine la?t sich ohne das andere
nicht denken. Dabei ist es die Begierde nach Anerkennung,
die das Wesen des Menschen bestimmt und ihn in
die Sprache einbettet, die zentrale Figur des Lacanschen Denkens.
Der Mensch ist Begierde
Drei wesentliche Kategorien, die als ineinander verflochtene Strukturen verstanden werden
sollen, bestimmen Lacan zufolge, den Psychismus des Menschen und demnach
auch seinen Diskurs: das Imaginare, das Symbolische und das Reale. Die Kategorie des
Imaginaren hat ihre Fundierung im Spiegelstadium 1 . Die jubilatorische Aufnahme des
eigenen Leibes im Spiegel bedeutet fur den Saugling die Illusion einer Einheit, die das Ich
als eine au?erliche Gestalt fixieren la?t. Dabei liefert die Erfahrung des Ichs im Spiegel
das Model fur die Identifikation mit dem Anderen. Der Andere erscheint dem Saugling als
ein einheitliches, quasi ideelles Bild, mit dem er sich identifiziert und an dessen Stelle er
treten will. Dies wurde jedoch hei?en, da? das Ich den Anderen beseitigen mu?, um sich
sein Imago anzueignen. Die Beseitigung des Anderen wurde aber andererseits die Beseitigung
des narzi?tischen Subjektes bedeuten. Diese ausweglose Lage fuhrt zu einem
suizidalen, gewalttatigen Zirkel und bedarf deshalb eines Dritten, der symbolischen Ordnung,
d.h. der Sprache, um gesprengt zu werden.
Das Symbolische ist dabei nicht eine Tatigkeit des Geistes, sondern eine Struktur, in der
das Subjekt vernetzt wird. Es schlie?t das imaginare Stadium ab und konfrontiert das
Subjekt mit der Welt. Das Subjekt ich wird dabei durch den Anderen in die symbolische
Ordnung geworfen und in ihr entworfen. Lacan erklart den Vorgang wie folgt: „Das mensch-
Lacan , 1901 geboren, studiert
Medizin und wendet sich dann
der psychiatrischen Praxis zu.
1936 prasentiert er in Marienbad
seine Arbeit uber das Spiegelstadium,
die ihn auch au?erhalb
Frankreichs bekannt macht.
Lacan grundet 1964 die Ecole
Freudienne de Paris und bleibt
ihr Leiter bis zu ihrer Auflosung
(1980). Ein Jahr spater stirbt er.
(Eine detaillierte Biographie liefert
Elisabeth Roudinesco:
Jacques Lacan. Bericht uber ein
Leben, Geschichte eines Denksystems .
Frankfurt a.M. 1999.)
»Wenn die Anerkennung des Begehrens die Funktion des Sprechens in der Analyse ist – dann liegt der Gedanke
nahe, da? darin auch die Funktion des Sprechens im literarischen Text zu suchen ist. Denn die poetische Sprache
spielt in besonderem Ma?e mit der doppelten Moglichkeit der Signifikantenkette, alles andere zu bezeichnen als
das, was sie sagt.«
